Erfahrung Linux Rootserver
Für Betreiber von Internet-Präsenzen, die zuvor nur mit Systemen wie Windows und Macintosh gearbeitet haben und primär an Inhalt und Design Ihrer Websites interessiert sind, mag die Verantwortung für einen kompletten Linux Root Server wie ein Sprung ins eisige Wasser wirken. Dieser Eindruck drängt sich sicherlich nicht ganz zu Unrecht auf – gelten doch sowohl für UNIX-artige Server-Systeme im allgemeinen, wie auch für Linux im besonderen radikal andere Bedienungsprinzipien als auf vertrauten, mausgesteuerten Desktop-Plattformen.
Die absolut standardisierte Art und Weise des schnellen, effizienten und durch Verschlüsselung gesicherten Fernzugriffs auf Linux Server wird über den OpenSSH-Server realisiert. Wahlweise per Passwort oder digitalem Schlüssel ermöglicht SSH die Anmeldung von Verwaltern und anderen Benutzern direkt in der Linux-Kommandozeilenumgebung des Servers, eine entsprechende Client-Software vorausgesetzt (z.B. PuTTY unter Windows).
Bei der Neueinrichtung eines Linux Root Servers sollte sich der frischgebackene Administrator in jedem Fall reichlich Zeit nehmen und Geduld beweisen, um typische Anfängerfehler zu vermeiden. Dazu empfiehlt sich durchaus auch die Literatur etwas allgemeiner gerichteter Werke, die über die spezifische gewählte Linux-Distribution hinaus grundlegende Konzepte von UNIX-ähnlichen Systemen beschreiben. Um applikationsspezifischen Support etwa über Mailinglisten, Newsgroups oder Foren gewinnbringend in Anspruch nehmen zu können, sollte der Systemverwalter zunächst bereits einen zumindest groben Überblick über Aspekte wie Dateisystemstruktur, Benutzerkonten- und Rechteverwaltung, per Skript automatisierte Start- und Stop-Infrastruktur von Diensten, Netzwerk-Protokolle und -topographie sowie nicht zuletzt Absicherung durch Passwörter, Verschlüsselung und Firewalls haben; derartige Kenntnisse werden in der Regel von Kollegen und anderen potentiellen Helfern vorausgesetzt. Stellt ein neuerlicher Serverbetreiber etwa in einem Forum eine konkrete technische Frage, so steigen die Chancen auf hilfreiche Antworten immens, sobald er zumindest ein grundsätzliches Verständnis des Problemfeldes demonstriert hat.
An vielen teilweise unerwarteten Stellen lauern kleinere und größere Fallstricke, die sich allerdings mehr aus aus technischer und historischer Natur als aus Böswilligkeit der Open Source-Entwicker ergeben; ein typischer solcher Anfängerfehler könnte es z.B. sein, den anfangs genannten SSH-Dienst versehentlich oder absichtlich zu beenden, ohne für dessen automatischen Neustart vorzusorgen – der Administrationsanfänger würde sich auf diese Weise blitzschnell selbst aus seinem Root Server aussperren.
Zwar nehmen moderne Distributionen und deren leistungsfähige Softwarepaket-Management-Systeme (apt in Debian GNU/Linux und Ubuntu Server, rpm in SuSE, RedHat, Fedora u.a.) dem Verwalter die Grundeinrichtung tausender text- oder datenbankbasierter Programme ab, doch ist in fast jedem Fall eine genauere manuelle Anpassung der zahllosen Optionen sinnvoll und notwendig. Hierfür müssen dann historisch gewachsene sogenannte Man-Pages (Online-Handbücher) in einem standardisierten Textformat direkt von der Linux-Kommandozeile aus konsultiert werden. Diese geben ausführlich Auskunft über Revisionsgeschichte, Funktionsumfang, Struktur und Syntax von ASCII-Text-basierten Konfigurationsdateien oder SQL-Datenbanken für ein spezifisches Programmpaket wie etwa den berühmten Apache-Webserver. Ein gutes Gedächtnis für teilweise exotisch anmutende Kommandozeilen, deren Syntax und Parameter ist ebenfalls von Vorteil.
Schließlich sollte der Administrator ebenfalls gewillt sein, regelmäßige Sicherheitshinweise und Updates nach kritischer Überprüfung auf seinem Server einzurichten, um böswilligen Hackern nicht durch veraltete Software zusätzliche Angriffspunkte zu offenbaren.
Wer bereits diverse Linux-Distributionen oder andere UNIX-ähnliche Betriebssysteme auf Desktop- und Workstation-PCs verwendet hat, ist auch beim Betreiben eines Linux Root Servers klar im Vorteil: von Systemen wie SuSE oder Ubuntu ist das Zusammenspiel grafischer und textbasierter Bedienungselemente bereits vertraut. Viele der täglichen Konfigurations- und Administrations-Handgriffe lassen sich dann fast 1:1 auf das Server-System im Rechenzentrum übertragen. Wenn man potentiellen Betreibern eines Linux Root Servers daher nur einen einzigen Rat mit auf den Weg geben könnte, so würde sich dieser auf die zur Wahl stehenden Linux-Distributionen beziehen. Bevor eine (kostenpflichtige) Entscheidung ansteht, sollten alle Optionen unbedingt auf einem privaten PC für einige Wochen kostenfrei ausprobiert werden. Mit Virtualisierungs-Software wie VMware, Parallels oder QEmu ist dies auch unter Windows jederzeit risikolos möglich. Die dabei gesammelte Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.