Slackware

Bei der bereits im Sommer 1993 erstmals veröffentlichten Linux-Distribution Slackware handelt es sich um das älteste, noch bis zum heutigen Tag stetig weiter aktualisierte GNU/Linux-System. Der Entwickler Patrick Voelkerding begann die Arbeit aus Unzufriedenheit über die Mängel des damals populären Soft Landing Linux (SLS), aus dem zur gleichen Zeit auch Debian, das vielleicht berühmteste und populärste Community Linux im internationalen Vergleich, abgeleitet wurde.

Die Bezeichnung „Slackware“ wurde als Hinweis auf die zunächst unverbindliche und eher hobbymäßige Arbeit Voelkerdings an seinem Projekt gewählt; ob dieser Name auch nach der Verbreitung bei größeren Linux-Benutzerkreisen noch potentiell negativen Einfluss und Vorurteile bei weniger humorvollen Geschäftsanwendern ausgelöst haben könnte, sei dahingestellt.

Tatsache ist, dass Slackware Linux aufgrund seines ungleich kleineren Entwickler- und Anwenderkreises sowie nicht zuletzt bedingt durch seine historisch orientierte Architektur mit neueren, hochgezüchteten und für den Serverbetrieb optimierten Distributionen auf APT-Basis (Debian, Ubuntu Server) oder RPM-Grundlage (Red Hat Enterprise Linux, Fedora, CentOS, SuSE) nur schwerlich mithalten kann. Nach seiner Selbstdefinition möchte Slackware diejenige Linux-Distribution sein, deren Verzeichnisstruktur, Installations-, Konfigurations- und Administrationserfahrungen jenen klassischer UNIX-Betriebssysteme und UNIX-Derivate der frühen 1990er Jahre am ähnlichsten ist. Einfache, übersichtliche und robuste Funktion wurden und werden in Slackware als essentieller als die jeweils neuesten Features an der Speerspitze der Linux-Kernel- und Applikationsentwicklung betrachtet.

Nicht zuletzt deswegen war die im Juli 2007 veröffentlichte und noch immer aktuelle Version Slackware 12.0 auch die erste, die die bei anderen Distributionen schon seit Jahren verwendete Linux-Kernel-Serie 2.6.x adaptierte. Darüber hinaus hatte sich der Projektleiter bereits im Jahr 2005 zu einem kategorischen Ausschluss des populären GNOME X11 Desktop Systems aus den offiziellen Slackware-Paketdatenbanken entschieden.

Ein kritisches Feature, das bei den meisten Distributionen über Erfolg oder Versagen den Systemadministratoren entscheidet, ist die Fähigkeit zur automatischen Auflösung von sogenannten Paketabhängigkeiten (Dependencies) bei der Installation und Entfernung von Softwarepaketen. Systeme wie APT und RPM laden beispielsweise alle nötigen Bibliotheken und Tools in den jeweils richtigen Versionen herunter, wenn der Administrator den Befehl zur Einrichtung etwa des Apache-HTTP- oder MySQL-Servers erteilt. Erstaunlicherweise verzichtet Slackware noch immer auf eine vollständige Automation dieses Prozesses in seinen Management-Tools „slackpkg“ und „swaret“. Zwar existieren seit längerem externe Lösungen von Drittanbietern, doch können diese niemals die Effizienz eines vollständig integrierten Systems erreichen.

Kommerzielle Hosting-Anbieter wie Strato, 1 & 1, Schlund, HostEurope oder Server4U bieten Slackware Linux daher wenn überhaupt eher selten als Option für Ihre physischen und virtuellen Linux Root Server an. Scheinbar mangelt es meist auch einfach am nötigen Kundeninteresse.

Realistischerweise muss im gleichen Atemzug sowohl die historisch nicht zu leugende Relevanz von Slackware für die Verbreitung des GNU/Linux-Systems bei Entwicklern und Admistratoren anerkannt und dessen weitere Relevanz für den produktiven und effizienten Server-Betrieb im 21. Jahrhundert ernsthaft in Frage gestellt werden. Gleich welches zu einer bestimmten Zeit innovative Slackware-Feature man sich herausgreifen mag, in heutiger Zeit existiert jeweils eine deutlich populärere und besser unterstützte Distribution, die die jeweilige Philosophie konsequenter weiterverfolgt: als komplett freie Binärdistribution steht Debian zur Wahl, Quelltext-Fetischisten werden zu Gentoo greifen, GUI-Benutzer entscheiden sich in der Regel für Ubuntu, Fedora oder OpenSuSE, Administratoren mit Bedarf nach erweiterten Sicherheitsfunktionen und Support bevorzugen Red Hat Enterprise Linuxm CentOS oder Novell SuSE. Einer persönlichen kleinen Geschichtsstunde in Form einer Slackware-Installation auf einem alten Ersatz-PC oder in einer Virtualisierungssoftware auf dem vertrauten Desktop soll dies freilich keinen Abbruch tun. Je mehr Distributionen der potentielle Administrator kennt, umso besser kann er dessen spezifische Errungenschaften und Defizite einschätzen. Wer sich erst einmal durch Slackware gekämpft hat, wird viele andere gängige Linux-Plattformen und deren Handhabung in der Folgezeit wie entspannte Freizeit wahrnehmen.