Fedora

Auch in der Linux-Welt werden historische und technologische Verwandschaftsverhältnisse gerne durch mehr oder weniger subtile Wortspiele gekennzeichnet: ein Zusammenhang zwischen den Distributionen „Fedora“ und „Red Hat“ wird so auch Neulingen in der Linux-Szene suggeriert.

Das Fedora-Projekt liefert die Basis sowohl für das kostenpflichtige Red Hat Enterprise Linux, als auch für dessen vollständig freies Derivat CentOS. Sollen ältere Apple Power Macintosh G3, G4 oder G5-Maschinen als Linux Root Server recycled werden, empfiehlt sich das PowerPC-spezifische Yellow Dog Linux als weiterer Fedora-Sprößling.

Für Server-Betreiber ergibt sich u.a. der Vorteil, dass viele Systementwickler und Softwarepaket-Verwalter von Fedora Linux zugleich an den zugrundeliegenden Open Source-Projekten selbst beteiligt sind. So sind beispielsweise mehrere Betreuer des Apache-Webserver-Paketes für Fedora auch als Programmierer in der Apache Foundation tätig; für Fedora angepasste und weiterentwickelte Sicherheits- und Stabilitäts-Patches kommen so längerfristig auch anderen Linux-Distributionen wie SuSE oder Debian zugute.

Die mit Prüfsummen verschlüsselte RPM-Paketdatenbank von Fedora und seinen abgeleiteten Distributionen bietet Administratoren höhere Sicherheit vor unbemerkter Manipulation durch böswillige Drittparteien wie Hacker oder Skripte. Dieser Sicherheits-Fokus von Fedora, der sich aus der Verwandschaft mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL) und den erhöhten Sicherheintsanforderungen im Unternehmenssektor erklärt, führt ebenso zur standardmäßigen Integration des erweiterten SELinux (Security-Enhanced Linux) in der Fedora-Basis-Distribution – einer Serie von Funktionserweiterungen, die vom US-Verteidigungsministerium und anderen amerikanischen Sicherheitsbehörden entwickelt wurden. SELinux bietet u.a. regel- und rollenbasierte Zugangskontrollen (ACLs – Access Control Lists) für bestimmte, vom Administrator zu definierende System- und Kernel-Funktionen. Da deren korrekte Einrichtung in der Praxis sehr zeit- und fachwissensintensiv ist, verzichten andere Distributionen auf die grundsätzliche Integration von SELinux.

In der aktuellen Version Fedora 8, die im November 2007 veröffentlicht wurde, versprechen die Systementwickler dennoch deutliche Geschwindigkeitsverbesserungen in den RPM-Paketmanagement-Tools „rpm“ und „yum“. Die für Ende April 2008 geplante Fedora 9-Serie soll die historisch beklagte Performance-Lücke zu dem simpleren und schlankeren APT-Paketsystems der Debian-Distributionsfamilie weiter schließen.

Deutlich weniger relevant für den Produktiveinsatz als Server im Rechenzentrum ist der Fokus des Fedora-Projekts auf die zeitnahe Adaption aktueller Weiterentwicklungen im Bereich X11-Desktop und 3D-GUI-Spezialeffekten. Was am Desktop als hübsch und benutzerfreundlich daherkommt, verschwendet auf dem Server nur unnötigen Festplattenplatz, Arbeitsspeicher und Prozessorzeit. Der potentielle Administrator sollte sich daher in keinem Fall von dem attraktiven, in Blautönen gehaltenen Corporate Design des Fedora-Projektes bei seiner Entscheidung blenden lassen.

Ebenso ist aus langfristiger Sicht für den Fedora-Administrator zu bedenken, dass die vermeintliche Freiheit des Fedora-Projektes ebenso als gezieltes Public Relations-Manöver der Firma Red Hat gewertet werden könnte, die hinter den Fassaden durch eine Mehrheit im Aufsichtsrat jederzeit die Richtung angeben oder all zu sehr mit dem kommerziellen Produkt RHEL konkurrierende Features ablehnen könnte. Man vergleiche hier das anwaltliche Vorgehen gegen den „wahren“ Community-Ableger CentOS.

Interessenten an Fedora Linux wird deshalb geraten, die aktuelle Version Fedora 8 sowohl auf nativer Hardware, als auch in virtuellen Maschinen (VMware, QEmu, OpenVZ) in Ruhe zu testen und mit RPM-Alternativen wie CentOS und SuSE zu vergleichen. Selbst wenn auf dem letztendlichen Root Server eine andere Distribution zum Einsatz kommen sollte, empfiehlt sich Fedora dennoch uneingeschränkt für die heimischen oder firmeneigenen Desktop-Systeme, von denen aus der Root Server administriert werden soll.