Linux Root Server

Um es gleich vorweg zu nehmen – Linux Root Server sind nicht für jeden Kunden und jedes Anwendungsszenario die sinnvollste Wahl:

Wer in der Administration von UNIX-ähnlichen Betriebssystemen und Open Source-Applikationsarchitekturen nicht bewandert ist, wird zum anfänglichen Betreiben einer Internetpräsenz zu kostengünstigeren Angeboten diverser Hosting-Provider greifen. Diese bieten für wenige EURO im Monat Komplettpakete aus Web-, Mail-, FTP- und anderen Diensten, meist bequem durch ein Web-Interface zu bedienen und dadurch einfach in der täglichen Handhabung. Treten Probleme mit serverseitiger Soft- oder gar Hardware auf, so ist deren zügige Beseitigung grundsätzlich Aufgabe des Hosting-Anbieters; der Hosting-Kunde merkt so oft noch nicht einmal, dass seine Dienste transparent vom einen Moment auf den anderen etwa auf andere Server-Hardware oder neuere Betriebssystemversionen migriert wurden.

Sobald das Internetangebot eines Kunden jedoch stetig zu wachsen beginnt, werden die schmerzvollen Limitationen solcher Komplettpakete schnell offensichtlich: über die vereinbarten Dienste und Applikationen hinaus ist es meist schwer bis unmöglich, weitere Software zu installieren, die etwa auf vom Provider nicht direkt vorgesehenen Architekturen, Skriptsprachen oder Bibliotheken basiert. Selbst mit der Anzahl der zur Verfügung stehenden MySQL-Datenbanken, einer Grundvoraussetzung zur Installation unzähliger PHP-basierter Webapplikationen (Joomla, Mambo, Drupal, WordPress, osCommerce, eGroupWare), wuchern die meisten Komplettanbieter, ohne dass es dafür konkrete technische Rechtfertigungen gäbe. Sollen gar noch auf Perl oder Python basierte Programme laufen (etwa Zope/Plone, AWstats oder Slash), ist dies ebenso selten möglich.

Am anderen Ende des Spektrums können Fortgeschrittene einen komplett allein benutzten Linux Root Server zu Preisen ab rund 50 EURO im Monat mieten, der in den Serverschränken eines Rechenzentrums fest installiert ist. Als marktgängie Anbieter von Linux Root Servern haben sich hierzulande vor allem die Marken 1 & 1, Strato, HostEurope und Server4U einen Namen gemacht. Der ständige Konkurrenzkampf ermöglicht für den Hosting-Kunden stetig fallende Kosten für 12- oder 24-Monats-Verträge.

Zwar ist Linux nicht das einzige bei Root Servern verfügbare, UNIX-ähnliche Betriebssystem, doch hat es sich in den letzten Jahren aufgrund des unschlagbaren Preis-/Leistungsverhältnisses (kostenlos) und der riesigen Software- und Support-Bibliotheken durchgesetzt. Laut zahlreicher internationaler Statistiken werden über 50% aller weltweiten Websites mit dem Open Source Webserver Apache betrieben; der Löwenanteil dieser Installationen läuft unter Linux. Gängige Linux-Distributionen sind hier vor allem Debian, Gentoo, RedHat sowie mittlerweile auch Fedora Core und Ubuntu Server. Besonders in Deutschland erfreut sich die historisch wichtige SuSE-Distribution weiterhin großer Beliebtheit. Um ihren Kunden die Übersicht zu erleichtern, bieten viele Provider die Grundauswahl zwischen Debian GNU/Linux mit reinem Shell-Zugang sowie SuSE-Linux mit einer Kombination aus Kommandozeilen- und Webinterface, oft mit automatischen Sicherungsfunktionen auf zentrale Backup-Server.
Dieser Linux Root Server kann dann über das Internet mittels der Industriestandard-Software OpenSSH (Secure SHell) verschlüsselt und sicher ferngesteuert werden. Dem Eingeweihten steht so die volle Kraft der Linux-Kommandozeile zur Verfügung, es können nach Herzenslust und Klientenanforderungen Softwarepakete für diverse Netzwerkdienste heruntergeladen, eingerichtet, überprüft, optimiert oder auch wieder entfernt werden. Ebenso können ohne Beschränkung beliebig viele virtuelle Domains mit Websites, eMail-Konten, Datenbanken usw. installiert werden, ohne jeweils beim Provider um aufpreispflichtige Erlaubnis fragen zu müssen.

Größere Flexibilität und Verantwortung gehen auch hier Hand in Hand. Speziell die Sicherheitsüberprüfungs- und Leistungsoptimierungsphase bietet für weniger erfahrene Linux-Administratoren die meisten Fallstricke, bevor ein gesunder Kompromiss aus Stabilität, Performance und robusten Zugangskontrollen gefunden ist – schließlich soll der Linux Root Server monate- bis jahrelang zuverlässig rund um die Uhr seinen Dienst tun, ohne von Systemabstürzen oder Hackern korrumpiert zu werden. Nachdem die anfangs relativ steile Lernkurve bei der Einrichtung eines Linux Root Server jedoch erst einmal überwunden ist, gestaltet sich der folgende tägliche Administrationsaufwand mit der Zeit dann umso effizienter und übersichtlicher. Auf wöchentlich oder sogar täglich veröffentlichte sogenannte Security Bulletins, also Sicherheitshinweise der jeweiligen Distributionsanbieter, sollte vom zuständigen Systemverwalter dennoch sorgfältig geachtet werden; sobald Sicherheitslücken etwa im Apache-Webserver, in der MySQL-Datenbank-Software oder in der Skriptsprache PHP entdeckt und von den Entwicklern behoben werden, sollten entsprechende Updates so schnell wie möglich auf dem Linux Root Server installiert werden. In der Regel ist auch dies über automatisierte Skripte und Tools relativ einfach zu realisieren, speziell im beliebten Debian-System.

Sogenannte Virtual Root Server, bei denen sich mehre Kunden eine einzelne physische Servermaschine im Rechenzentrum des Providers weitgehend transparent teilen, bieten mittlerweile einen recht gesunden Kompromiss aus anfallenden Kosten und gebotenem Gegenwert: Einrichtung, Verwaltung und dadurch Flexibilität gestalten sich im Vergleich zu einem „echten“ Root Server fast identisch, dafür können vom Anbieter Hardware- und Stromkostenersparnisse direkt an den Kunden weitergegeben werden. In der Regel zahlt man hier um 10 bis 15 EURO im Monat. Hierbei kommt auf Provider-Seite die besonders in Deutschland mittlerweile recht verbreitete Virtualisierungssoftware Virtuozzo von SW-Soft (Parallels) bzw. deren Open Source-Äquivalent OpenVZ für Linux zum Einsatz.

Die Unterschiede in Preis und Leistungsumfang ergeben sich letzlich aus der Differenz an Prozessorleistung, Arbeitsspeicher, Festplattenplatz, Backup-Optionen und verfügbarem Support vor Ort. Bei einem Preisvergleich sollte auch auf solche Kriterien geachtet werden, denn im Ernstfall ist ein Telefonat noch preisgünstiger als ein persönlicher Besuch im Rechenzentrum.